1/21/2025

Brunos Hof

 

Bruno fährt im Winter zweimal in der Woche Rüben-LKW ins niedersächsische Ausland. So ein richtiger Brummi ist das und er der King auf dem Bock und das zumeist zu nächtlicher Stunde. Die Feldarbeit ruht noch und Zeit für einen Nebenjob gibt es reichlich.

    Da ihre Minikarre von Auto neuen TÜV braucht, zieht sie ein in die Schrauberwerkstatt des Hofes und kommt in den Genuss einer Privat-Behandlung und schafft den TÜV. Und zwar bezahlbar. Wie praktisch. Das Leben auf diesem Hof hat sich also schon gelohnt, denkt Freya und weiß gleichzeitig, dass es auf ganz anderes ankommt. Und das ganz andere ist wirklich auch so ganz anders als das, was vorher war. Auf einmal gibt es einen großen Garten, ein großes Haus, fünf Katzen, diverse kleine und große Schuppen, eine Scheune und viel Chaos.

    Als das Frühjahr anbricht, beginnt Brunos Feldarbeit und die Arbeits-Tage werden lang. Der Trecker tuckert Reihe hoch und Reihe wieder runter. Steine müssen gesammelt werden und das ist eine leidige Angelegenheit, die Freya noch aus ihrer Kindheit kennt. Nur kann sie jetzt, oh was für ein Glück, aus der erhabenen Position einer Traktoristin die Chose beobachten, während Bruno mit Eimer und Spaten bewaffnet, vor ihr kreuz und quer über das Feld laufen muss und sich schwitzend nach den Steinen bückt.

    Er kurvt also auf seinen Feldern herum, pflügt, grubbert, eggt und sät Gerste, Weizen, Roggen, Bohnen und Raps oder repariert gelegentlich seine Maschinen. Dazu kommt das verhasste Anträge ausfüllen und Auflagen erfüllen und ist zum Haare Ausraufen.

    Aber irgendwann beginnt die Ernte und ist mit viel Stress verbunden. Das gute Wetter hält immer nur ein paar Tage an und er muss auf den Mähdrescher der Nachbarn warten, die nicht auf allen Feldern gleichzeitig dreschen können. Freya erinnert das an ihre Kindheit und wie ihre Mutter und sie mit einem Korb voll frisch gebackenem Kuchen und einer Thermoskanne Kaffee hinaus zu ihrem Vater auf's Stoppelfeld wanderten und auf Strohklappen sitzend Pause machten. Und auch gab es Zeiten, wo er das Mittagessen dorthin bekam und kaum Zeit für's Essen hatte, weil der nächste Regenschauer drohte. Und es zeichnet sich leider schon jetzt ab, dass die diesjährige Ernte nicht gut ausfallen wird. Frust macht sich breit und breiter und das schon ne ganze Weile. Tatsächlich verkündet Bruno an seinem Geburtstag seinen bäuerlichen Nachbarn, dass er aufhören will mit der Landwirtschaft und an sie verpachten möchte. Welch riesengroße Überraschung. Freya hat absolut nicht damit gerechnet, dass er ernst machen würde. Die nächsten Wochen sind ziemlich aufwühlend und ein sehr emotionaler Prozess und mit sehr vielen Formalitäten verbunden.

    Irgendwann ist die Ernte zum Glück beendet, allerdings mit zum Teil ziemlich schlechten Erträgen. So geht’s nun zwecks winterlichem Geldverdienen für Bruno wieder los mit den Rüben-LKW-Fahrten. Zweimal in der Woche oft zu nächtlicher Stunde also rauf auf den Bock und aff von Hoff.

Mein Bild
Ringsberg, Flensburger Förde, Schleswig-Holstein, Germany
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