Alles blüht
und duftet und zwitschert. Nach langer Zeit gibt es jetzt wieder
einen großen Garten in Freyas Leben mit viel Freude, aber auch viel
Arbeit. Und bunte zutrauliche Katzen mit drei Beinen oder anderen
Handicaps, die sich zoffen, dass die Fetzen nur so fliegen. Die
Arbeit der Zweibeiner klappt dafür wie am Schnürchen. Da wird nicht viel geredet und einfach so vor sich hingewerkelt. Ab und zu sich geküsst und weiter gearbeitet. Der Garten ist der ihrer Vorgängerinnen und sehr schön. Das kann sie absolut anerkennen. Aber es ist eben nicht ihre Handschrift, die sie da sieht. Diese ganzen Töpfe und der Klimbim und die Zäune sind einfach nicht ihr Ding. Sie braucht mehr Großzügigkeit und Klarheit und das ist auch ganz im Sinne von Bruno. Das Zusammenarbeiten draußen an der frischen Luft ist jedenfalls eine absolut befriedigende und beziehungsfördernde Angelegenheit .
Auch zusammen kochen geht einwandfrei.
„Hier,
schmeck mal ab, was fehlt noch?“
„Pfeffer!“,
und schon haut er ordentlich Gewürz hinein.
Und so nach
und nach probieren sie im Internet gefundene neue Gerichte aus. Neben den typischen Angeliter Chosen, die sie lieben und die Freya von Großmutter und Mutter überliefert bekam. Manchmal bekocht er sie,
manchmal sie ihn, aber meistens experimentieren sie gemeinsam mit
Obst, Gemüse, Kartoffeln oder Pasta. Vegetarier sind sie nicht, aber
immer offener für Neues. Mal schnöde Pottkuchen, mal aufwendige Torten mit oder ohne Zucker. Es erstaunt Freya sehr, wie viel lockerer
Bruno im Laufe der Zeit wird im sich Lösen von festgefahrenen
Gewohnheiten und Ansichten. Und so googelt er mittlerweile und findet
die ausgefallensten Veganer-Rezepte.
Aber manchmal muss es eben einfach klassisch und einfach zugehen. Was man
als Bauer eben so liebt. Bratkartoffeln mit Spiegelei und
Frikadellen. Inzwischen ist das Kochen zu einer wichtigen
gemeinschaftsbildenden Angelegenheit geworden. Freya steuert Obst,
Gemüse und Salate bei, damit es auch Vitamine zu futtern gibt und
Bruno seins aus dem Thermomix für Arme oder das Fleisch. Oft ist das auch eine fast
ohne Worte ablaufende Angelegenheit und jeder vertieft sich in seinen
Part. Manchmal flüchtet Freya allerdings lieber in ihr eigenes Reich, weil Bruno mal wieder in eine wüste Küchenschlacht verwickelt ist.
Dann ist da ja noch das Entrümpeln. Wie furchtbar. Aber muss sein. Findet Freya und irgendwann auch Bruno. Aber bitte sehr nicht so schnell. Findet er. Sie nicht. Oder doch, wenn es zu anstrengend wird. Stück für Stück kommen sie sich näher, die Ordnung und das holde Paar. Aber das ist echte Maloche und man darf nicht pingelig sein und sich vor Staub, Dreck, halb verwesten Ratten, Mäusedreck und jahrzehntealten Sachen einer längst vergangenen Epoche ekeln. Zum Glück hat Freya schon einmal den Hof ihrer Eltern entrümpelt und das dauerte ein geschlagenes Jahr. Sie kennt das und dann mal los. Andere sehen das und das ist die Belohnung. Außer, dass es ihnen beiden selbst gut tut. Halleluja.
So geht es dann so nach und nach weiter im Jahresverlauf und Freunde besuchen sie und freuen sich mit Freya, dass sie es jetzt nach so langer Zeit endlich so gut getroffen hat und nicht mehr allein ist. Bei allem.