Gesagt getan, eines Tages erscheint sie unangemeldet bei einem Künstlertreffen und schnackt schlau. Und tatsächlich sagt sie JA zu einer Gemeinschaftsausstellung mit vielen Kollegen, die sie alle nicht so genau kennt. Und auch stellt sie sich einem nordischen Kunstverein. Das allein ist schon Abenteuer genug. Man stelle sich vor, die kleine Freya mit ihren Gemälden vor einer ganzen Horde anderer Künstler, die im Block mit Argusaugen alles begutachten und auch schon mal unnette Fragen stellen. Sie beginnt zu schwitzen und läuft rot an im Gesicht, hält sich aber wacker und gewinnt am Ende die Schlacht. Aufgenommen. Und erfährt, dass es hinterher ein Hauen und Stechen gibt, ob der Ton ihr gegenüber denn nun angemessen war oder nicht. Jetzt steht also dem hehren Plan, im alten Hühnerstall, wo sich Freyas vorerst primitives Atelier befindet, als offenes Atelier der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, nichts mehr im Weg.
Nach langer Zeit versucht sie außerdem mal wieder in Kunstausstellungen ne gute Figur und nicht allzu dumme Bemerkungen zu machen. Man muss die Sprache dort direkt erst einmal lernen, das ist Ausländisch vom feinsten. Vielleicht lieber die Klappe halten und Salzstangen knabbern. Sie ist nämlich auf der Suche nach Inspirationen und will auch mal die Konkurrenz abchecken. Wo steckt sie selbst mit ihrer ART inmitten des Getümmels? Sind abstrakte Landschaften mittlerweile total out und muss sie auch lustige Kuhköpfe malen? Nö, findet sie. Ja, und INSTA und FACEBOOK gehören mittlerweile auch dazu. Technisch gesehen ist das kein großes Ding. Zack, rein damit und auf FOLLOWER warten. Läuft. Denkt sie und ahnt noch nicht, wie sehr sie diese ganze Chose einmal nerven sollte.
Inzwischen werden die zukünftigen offenen Ateliers vorbereitet und weitere Treffen finden statt. Sie ist mittlerweile rechtmäßiges Mitglied der Künstler-Schar. Und der alte Hühnerstall ist auch schon weiter gekommen. Er vermisst die Hühner von damals nicht mehr und erfreut sich an dem frischen Geruch, dem ihm unbekannten Mobiliar und den vielen Farben und Leinwänden und dem vergrößerten Platz, in dem er sich wohlfühlen kann. Freya wollte ihm beweisen, dass sie das alles allein schaffen kann. So eine richtige Macherin, wie sie ist, akkuschraubert sie schon mal hunderte von Schrauben aus den hölzernen Zwischenwänden und wuchtet sie allesamt nach draußen. Die Ruhe ganz am Ende des Hofes mit den offenen Toren und dem Blick auf die Maschinen und das Strohlager tun ihr gut und erdet enorm. Und zwischendurch steht Bruno einfach so in der Ecke rum und guckt ihr beim Arbeiten zu, was er sowieso liebt. Den anderen beim Arbeiten zugucken und alles gemütlich angehen lassen.
Irgendwann ist es dann soweit, alle Bilder für die monatelange Ausstellung in der eleganten Kulturstätte in der Nachbarstadt sind gemalt, gerahmt und werden mit vier coolen Künstlerkollegen unter anderem aus Dänemark in den großen Räumen aufgehängt. Premiere nach gefühlten zehn Jahren, auch wenn Freya bald merken wird, dass sie noch viel Lehrgeld zu zahlen hat und die Bedingungen dort alles andere als optimal sind.
Wenige Tage später stehen die fünf vorne vor der Bühne des großen Saals und erzählen von sich, während zwischenzeitlich zwei Musiker sie begleiten. Die Vernissage kommt sie teuer, Drinks und Service müssen die Künstler selbst bezahlen und als Gegenleistung bekommt die Kulturstätte ihre ganzen Räumlichkeiten hochwertig dekoriert.
Am folgenden Tag geht der Zirkus dann gleich weiter. Ab mit den kleinformatigen Gemälden in eine in der Nähe liegenden kleine Galerie und Nägel in die Wände schlagen zusammen mit über zwanzig anderen Kollegen. Was für ein Gewusel. Tatsächlich klappt jedoch alles und das schon oft erlebte Gezicke unter Künstlern bleibt aus. Die Plätze werden ausgelost, um Neid um das beste Licht zu vermeiden. Leider ist ihr Platz durchaus gewöhnungsbedürftig und die Angelegenheit muss auch noch bezahlt werden, aber das ist auch schon egal. Lehrgeld einfach weiterzahlen.
Im späten Frühjahr machen die Ateliers in der gesamten ländlichen Umgebung dann endlich ihre Tore weit auf und lassen Besucher hinein. Freya hat sich mangels fehlender Fertigstellung der Werkstatt allerdings entschieden, noch nicht teilzunehmen. Und kann anstatt dessen all die Kollegen besuchen, bei denen sie noch nie war. Das ist dann auch in der Tat eine sehr inspirierende Reise in die Werkstätten ihrer Kollegen, die sie dadurch ein Stück näher kennen lernen kann.
Ihr Alltags-Job ist der in alten Klamotten in die Werkstatt zu gehen, mit Farbe herumzuschmieren und versuchen zu zaubern. Schon im letzten Jahr hat sie entschieden, sich mit abstrakten Landschaften zu beschäftigen und führt das auch in diesem Jahr fort.
Im Sommer besucht Freya einen Künstlerkollegen und besichtigt den dort zur Werkstatt umgebauten Kuhstall. Die Frage steht bei Bruno und ihr im Raum, was aus den hiesigen vielen Räumen noch alles gemacht werden könnte. Wenige Tage später fahren sie zwecks weiterer Inspiration zu einer Kunst-Ausstellung in ein kleines Kaff ebenfalls auf einen Resthof, dessen Scheune aufwendigst umgebaut wurde zu einem großen Veranstaltungsraum, einer Werkstatt und einem großem Lager mit grandiosen Kunstwerken. Menschengroße Skulpturen, geschweißte Arbeiten auch mit verrosteten Teilen vom Bauernhof, unzählige Gemälde und Installationen zum Thema Moor. Sie sind absolut hingerissen und maximal inspiriert und nehmen die Anregungen beseelt mit nach Hause.
Und doch geht das Entrümpeln und Renovieren auf dem Hof nur langsam weiter, die Arbeit ist beschwerlich und alles irgendwie zäh und sie oft träge. Es macht einen Unterschied, ob man alles selbst machen möchte oder ob ein Trupp von Entrümplern, Handwerkern oder anderen Helfern kommt und ranklotzt und in Windeseile Fortschritte zu erkennen sind.
Im späten Herbst wird es dann langsam zu kalt im alten Hühnerstell und Freya zieht sich mehr und mehr ins warme Innere des Hauses zurück, findet einen guten Schreibplatz an einem Fenster mit der Aussicht auf den Hof und allem, was dort so passiert und widmet sich einer anderen künstlerischen Arbeit. Lange hat das Schreiben von Geschichten geruht. Sie will es noch einmal versuchen. Und beginnt etwas stümperhaft mit so allerlei nichtsnutzigen Sätzen, die sich dann irgendwann wie von selbst verwandeln in die Geschichten von Bruno Olle Petersen und Freya von Hansen.