Eines ihrer Ehrenämter findet im Lichthof statt, der Einrichtung, in der ihre Mutter die letzten Jahre in einer kleinen Demenz-Wohngemeinschaft lebte. Dort gibt es einen wunderbaren Garten und dort hilft Freya auch noch nach Jahren einmal im Monat im Gartenteam freiwillig mit. Im Frühjahr beginnt das Gartensaison-Sommerhalbjahr und sie alle jäten einmal im Monat massenweise Unkraut, um den blumenreichen Garten wieder auf Vordermann zu bringen. Inzwischen ohne Mutter zieht es sie nach wie vor dorthin zu diesen Bewohnern mit ihren schweren Schicksalen und der liebevollen Atmosphäre. Und am Ende der Saison endet die Zusammenarbeit wie in jedem Jahr mit dem traditionellen Rübenmus-Essen. Der Garten ist jetzt winterfest und kann bis zum nächsten Frühjahr warten.
Und da Freya immer schon heimatverbunden war, ist der nächste Schritt in diesem back-to-the-roots-Trend auch gar nicht mehr so ein großer. Denn da der Heimatverein sich verjüngt hat und moderner geworden ist, zahlt sie ab jetzt den Jahresbeitrag und wundert sich doch noch ein wenig über sich selbst. Wo sind ihre Vorurteile geblieben? Heimatverein ging doch bisher so gaar nicht. Sie hätte nicht gedacht, dass sie sich sogar einmal in der AG Kulinarik engagieren würde und typische Angeliter Rezepte erkunden, gemeinschaftlich kochen und anbieten würde. Heimatliches Brauchtum nicht nur aus der Gegenwart, sondern auch aus der Zeit von vor hundert Jahren erforschen. Was ist typisch? Wieso kocht man süß und salzig zusammen? Oder salzig und fruchtig. Oder fruchtig und bitter. Was hatte es auf sich mit den großen Sälen in den alten Bauernhäusern? Und damit, dass bei großen Festen ihre Großmutter noch eine Torte pro Paar berechnete. Kulturelles Leben spielte schon immer eine große Rolle und Freya hat das wohl geerbt.