1/21/2025

Wie Bruno so ist


Ich interessiere mich eigentlich für gar nichts!“, sagt er nicht nur einmal, auch wenn das provokativ gemeint ist. Mittlerweile in intensive Gespräche verwickelt, googelt er wie ein Weltmeister, wenn es darum geht, Wissenslücken aufzufüllen. Ein kauziger Typ, denkt Freya, als sie ihn zum ersten Mal sieht und hat ihn auf den ersten Blick auch ganz richtig erkannt. Auch wenn es da noch ganz andere Seiten gibt. Man muss nur einmal in seine Klüter-Kammer gucken und dann ist alles klar. Oder auf den Boden. Oder ins Büro. Oder in den Keller. Wilde Mischungen sehr unterschiedlichen Chaos. Aber lieb ist er. Und sinnlich. Und ein großes Herz besitzt er. Und coole Witze erzählen kann er. Und ihre Schale hat er geknackt. Ihre Kühle. Unnahbar, wie sie war und oft noch ist. Da hat er sie mit seinem überbordenden Temperament einfach überschwemmt und irgendwann brach dann die Mauer. Die Distanziertheit. Auch die Scham verschwand. Und so kann sie jetzt auch einfach nackt vor ihm stehen. Trotz ihres Alters und ihrer Falten. Aber das will er ja nicht mehr hören. Falten sind für ihn allemal interessanter als keine. Das gelebte Leben eben. Sie hat großes Glück mit ihm gehabt. Weiß sie. Auch wenn sie das manchmal vergisst, weil das große Chaos mal wieder ausbricht und er nichts aufräumt und den Saustall muss sie dann immer erst einmal aushalten. Und mit der Zeit wird dann auch so vieles anders und ist gar nicht mehr so wie am Anfang. Jetzt hat er keine Angst mehr vor Neuem. Naja, fast keine. Und geht einfach so mit ihr mit ins Abenteuer. Aber rechnen kann er auf jeden Fall besser als sie. Und Trecker reparieren auch. Das kann sie nämlich gar nicht. Gastfreundlich ist er auch. Sehr sogar. Das liebt sie an ihm, wie so vieles andere auch. Aber sie liebt ihn nicht immer. Manchmal könnte sie ihn an die Wand klatschen. Wenn er so gar nicht von seinem Stuhl hochkommt und da schon mal ein halber Tag vergeht. Oder wenn er sich mit seiner dämlichen Sturheit und seinem blöden Trotz so dermaßen selbst im Weg steht. Da muss sie schon ne Menge an Tricks und weiblichen Geschicks aufbieten, damit er nachgibt. Mit Härte geht da gar nichts und am besten das Gegenteil behaupten. Das fordert ihn heraus. Da will er dann doch. Zum Beispiel Gemüse oder weniger Zucker essen. Großzügig ist er, das ist der Wahnsinn. Sie fühlt sich in allem anerkannt, auch wenn er sie manchmal trotzdem nicht aushält, weil sie mal wieder so zickig ist oder mit dem Provozieren nicht aufhört. Oder weil sie nicht mit ihm ins Bett gehen will. Oder gemeinsam duschen. Aber sie kann ihm alles anvertrauen und das Größte ist, dass sie einfach so sein kann wie sie nun mal ist. Mit all ihren Facetten. Die Liebe merkt man ja häufig erst, wenn man sie verliert oder sich streitet und wieder versöhnt, wenn man räumlich getrennt ist oder einfach auch erst, wenn man sich mal einen ganzen Tag nicht sieht. Und bisher wurde immer alles wieder gut, was vorher aussichtslos erschien. Und das ist soo schön!

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Ringsberg, Flensburger Förde, Schleswig-Holstein, Germany
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